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29. September 2016 von Sieveking Verlag

David Hockney – ein Künstlerporträt

David Hockney – ein Künstlerporträt

Wenn auf der Eröffnungs-Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse erstmals ein bildender Künstler spricht, dann ist das ein Novum. Wir stellen Ihnen hier in einem kurzen Porträt David Hockney vor.

David Hockney im Studio mit seinen neuen Fotozeichnungen, 27.Februar 2015 Foto: Richard Schmidt © David Hockney

David Hockney im Studio mit seinen neuen
Fotozeichnungen, 27.Februar 2015
Foto: Richard Schmidt
© David Hockney

„Man muss zu den Menschen sprechen“, sagt der Maler, Zeichner, Grafiker, Fotograf und Bühnenbildner David Hockney und fährt fort: „Ich bin nicht interessiert daran, in geheimen Codes nur mit einem kleinen Zirkel zu kommunizieren.“

Aber das muss er auch gar nicht. 620.000 Besucher etwa wollten 2012 seine Ausstellung „A Bigger Picture“ mit atelierfrischen Landschaftsbildern aus seiner Heimat Yorkshire in der Londoner Royal Academy sehen. Und auch „82 Portraits and 1 Still Life“, seine noch bis Anfang Oktober laufende aktuelle Ausstellung am selben Ort, hat wieder das Potenzial, zum Publikumsrenner zu werden. Jeweils drei Tage Zeit hat sich Hockney genommen, um ihm nahestehende Personen, darunter Familienmitglieder, aber auch Repräsentanten des Kunstbetriebs, wie seinen Künstlerkollegen John Baldessari oder den Top-Galeristen Larry Gagosian, in seinem Studio zu porträtieren. Nachdem er mit den einfühlsamen Porträts fertig war, hat er dann zum Abschluss noch den leeren Stuhl als Stillleben gemalt.

Geboren wurde David Hockney am 9. Juli 1937 als viertes von fünf Kindern einer frommen Methodistenfamilie. Obwohl er schon Anfang der 1960er-Jahre von der britischen Presse zum Starkünstler und wichtigen Vertreter der britischen Pop-Art erklärt wurde ─ eine Zeitung bezeichnete ihn als „Top of the Hips“ ─, verließ er das Swinging London der Sixties in Richtung Amerika.

Ein Besuch in Kalifornien hatte ihn so stark beeindruckt, dass er 1964 zunächst ganz nach Los Angeles zog. Und es waren nicht nur die auf zahlreichen seiner frühen Gemälde auftauchenden Swimmingpools, die ihn an die amerikanische Westküste lockten. Ganz gewiss waren es auch das freiere Lebensgefühl und die ausgeprägtere Toleranz gegenüber Schwulen, die seinen Entschluss beflügelten. Ganz anders etwa als Andy Warhol, der seine eigene Homosexualität in seiner Kunst nie direkt thematisierte, hat Hockney immer wieder männliche Akte oder Männerpaare gemalt.

David Hockney, Selbstporträt mit Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien Foto: Richard Schmidt © David Hockney

David Hockney, Selbstporträt mit
Museum moderner
Kunst Stiftung Ludwig
Wien
Foto: Richard Schmidt
© David Hockney

1968 zog Hockney zwar zunächst nach London zurück, Mitte der 1970er-Jahre hat er in Paris gelebt, seit Ende der 1990er-Jahre hielt er sich zunehmend oft wieder in seiner englischen Heimat auf. Doch ganz aufgegeben hat er seine Wahlheimat Kalifornien eigentlich nie. Nach einer längeren englischen Episode ab 2005 lebt er seit 2013 wieder überwiegend in Los Angeles.

Schon mit seinen ersten in Kalifornien entstandenen Acrylbildern schaffte Hockney auch in den USA den Durchbruch. So cool und elegant wie er brachte niemand den kalifornischen Lifestyle auf die Leinwand. Sein wohl berühmtestes Gemälde „A Bigger Splash“, entstanden 1967 ─ es hängt seit 1981 in der Londoner Tate Gallery ─, gilt als eine Ikone der Pop-Art. Im Zentrum des Gemäldes steht das aufspritzende Wasser eines Swimmingpools. Von dem Schwimmer, der augenscheinlich gerade vom Sprungbrett ins Wasser abgetaucht ist, jedoch bekommt der Betrachter nur eine Ahnung. Eingebettet in ein für Hockney typisches hedonistisches Setting – mit cremefarbenem Luxusbungalow, blauem Himmel, Regiestuhl und Palmen –, verhandelt das Bild nicht zuletzt auch die Dialektik von Augenblicklichkeit und Dauer, Ereignishaftigkeit und Ruhe. Hockney dazu: „Mir gefiel die Idee, diese Dinge zu malen, die zwei Sekunden lang dauern: Ich brauchte zwei Wochen, dieses Ereignis zu malen, das zwei Sekunden lang andauerte.“

David Hockney, Ohne Titel, 24.Februar 2011 iPad Zeichnung © David Hockney

David Hockney, Ohne
Titel, 24.Februar 2011
iPad Zeichnung
© David Hockney

David Hockney gilt als besonders experimentierfreudiger und neuen Technologien gegenüber sehr aufgeschlossener Maler. Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren schuf er aus manchmal Dutzenden von Polaroidaufnahmen multiperspektivische Fotocollagen, die er als „Joiners“ bezeichnete. Immer auf der Suche nach neuen Perspektiven, erfolgten später Experimente mit Faxgeräten, 18 simultan auslösenden Fotokameras oder Video. Und vor einigen Jahren entdeckte er die App „Brushes“ für das iPhone für seine Kunst. Eine Zeit lang hat er jeden Morgen mit der neuen Technologie einen Blumenstrauß gemalt und diesen dann per E-Mail an seine Freunde verschickt.

Doch am Ende kehrt David Hockney, bereichert um Erkenntnisse, die ihm die digitalen Medien an die Hand liefern, immer wieder zur Leinwand zurück. Menschen, Landschaften, Wasseroberflächen, moderne Architektur, sein leeres Studio, Blumenstillleben: David Hockneys Motive wirken nie allzu weit hergeholt. Es ist das uns allen Vertraute, was die überwältigende Strahlkraft seiner ebenso kühn kolorierten wie prägnant auf die Leinwand gebrachten Gemälde auszeichnet.

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Den Beitrag schrieben Nicole Büsing & Heiko Klaas

Alle Bilder sind dem Buch “David Hockney & Martin Gayford. Welt der Bilder”, Sieveking Verlag entnommen