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25. Oktober 2016 von Sieveking Verlag

Sprungbrett für junge Künstler

Sprungbrett für junge Künstler

Jahr für Jahr bietet der Wettbewerb »gute aussichten« einen abwechslungsreichen Überblick über neueste Tendenzen in der künstlerischen Fotografie. Die Preisträger sind junge Hochschulabsolventen mit großen Ambitionen.

Seit 2004 existiert der Fotowettbewerb »gute aussichten«, laut Spiegel »Deutschlands renommiertester Wettbewerb für junge Fotografie«. Die Einsendungen kommen aus allen deutschen Hochschulen mit Fotoklassen. Jede Akademie darf bis zu fünf Abschlussarbeiten ihrer Studenten einreichen. Vorschlagsrecht haben ausschließlich die Professoren. So kommen Jahr für Jahr bis zu 120 Bewerbungen zusammen, aus denen eine hochkarätig besetzte Fachjury – mit dabei waren bereits so bekannte Fotokünstler wie Thomas Demand, Thomas Ruff, Andreas Gursky, Paul Graham oder Jürgen Teller – bis zu acht Preisträger auswählt.

Festes Mitglied der Jury ist seit vielen Jahren auch der Kurator am Hamburger Haus der Photographie, Ingo Taubhorn. Die Arbeiten der Gewinner von »gute aussichten« werden dann auf eine Ausstellungstournee geschickt. Fest gesetzt sind dabei die Museumspartner von »gute aussichten«, zu denen das Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen, das Museum für Fotografie in Berlin und das Marta in Herford gehören. In diesem Jahr kommt erstmals auch noch das NRW-Forum Düsseldorf hinzu. Ein regelmäßiges Gastspiel statten die »gute aussichten« auch dem Goethe-Institut in Washington, D.C. ab. Hinzu kommen weitere Goethe-Institute und wechselnde Ausstellungsorte rund um den Globus. So wird das Projekt Jahr für Jahr an rund zehn Orten präsentiert.

Der freie Journalist und Medienberater Stefan Becht, neben der Kunsthistorikerin Josefine Raab einer der beiden Gründer von »gute aussichten«, erklärt den Grundgedanken des Wettbewerbs: »Wenn du was Neues entdecken willst, musst du dahin gehen, wo der Baum noch jung ist. Und der Baum ist dort jung, wo ausgebildet wird. Und innerhalb der Hochschulen sind die ja noch relativ frei von kommerziellen Belangen und Druck. Das heißt, im Zweifel entsteht dort etwas Neues.« Der Wettbewerb ist als ein Sprungbrett für Hochschulabsolventen zu verstehen, die mit ihrer Arbeit nicht nur die Absicht verbinden, im kommerziellen Bereich Erfolg zu haben, sondern tatsächlich stringent künstlerisch denken und in der Lage sind, monate-, manchmal sogar jahrelang konzentriert an einer Serie oder einem Projekt zu arbeiten. Dazu noch einmal Stefan Becht und Josefine Raab: »Man sieht einer guten Serie schon an, dass sich jemand konzentriert, dass er Dinge verdichtet, dass er auch wirklich eine Idee hat, die er verfolgt. Jemand stellt sich selbst ein Thema, dadurch entsteht eine neue Welt.«

Auch wenn das Budget knapp ist und Raab und Becht fast unter selbstausbeuterischen Bedingungen arbeiten, entsteht doch jedes Jahr wieder ein umfangreicher Katalog und damit etwas Bleibendes für die Preisträger und das Publikum der Ausstellung. Zudem eröffnet der Wettbewerb den jungen Künstlern auch die Möglichkeit – oft erstmals in ihrer Karriere –, die Verkäuflichkeit ihrer Arbeiten auszutesten. In der »gute aussichten-Edition« wird von jedem der Preisträger ein nummeriertes und signiertes Blatt im Format 30 x 40 cm angeboten. Die Auflage beträgt 11 plus 2 Künstlerexemplare.

Aus dem 13. Wettbewerb 2016/17 sind sieben PreisträgerIinnen hervorgegangen. Es gab 77 Einreichungen aus 32 Institutionen. Die Auftaktausstellung eröffnet am 18. November 2016 im NRW-Forum Düsseldorf und versammelt Arbeiten aller PreisträgerIinnen. Anschließend stehen Hamburg, Nicosia, Mailand, Koblenz und weitere Orte auf dem Programm. Als Thema hat sich in diesem Jahr »das Fremde im Eigenen und das Eigene im Fremden« herausgeschält. Zwei Beispiele:

Wenn das Negativ zum Positiv wird: Miia Autios »Variation of White«

Wenn das Negativ zum Positiv wird: Miia Autios »Variation of White«

Die Finnin Miia Autio von der Fachhochschule Bielefeld ging für ihre Serie »Variation of White« mit der Kamera in Afrika auf Entdeckungsreise. Dort stieß sie auf Albinos, weißhäutige Afrikaner also, die unter Ausgrenzung und Verfolgung leiden. Der in Deutschland geborene Quoc-Van Ninh, Absolvent der Hochschule für Künste in Bremen und Sohn eines vietnamesischen Vaters und einer chinesischen Mutter, wiederum hat sich auf der Suche nach dem Fremden nach Vietnam begeben. In seiner Abschlussarbeit »Tenebrae« (lat. Dunkelheit) nimmt er den Betrachter mit auf seine vom Gefühl der Entwurzelung geprägte Suche nach Heimat zwischen Vietnam, China und Deutschland.

Ein magisches, dunkles Universum: »Tenebrae« von Quoc-Van Ninh

Ein magisches, dunkles Universum: »Tenebrae« von Quoc-Van Ninh

Ob analoge oder digitale Technik, politisch motivierte Dokumentarfotografie, Erkundungen des Selbst, die mitunter schmerzhafte Recherche in der eigenen Familiengeschichte, serielles Arbeiten, Langzeitbeobachtungen, kameralose Fotografie oder konzeptuelle Ansätze: Der Wettbewerb »gute aussichten« wird seinem Ruf, Deutschlands bester Seismograf für den fotografischen Nachwuchs zu sein, Jahr für Jahr wieder gerecht.

NRW-Forum Düsseldorf 19.11.2016 – 15.1.2017

Ausstellung: http://www.nrw-forum.de/presse/gute-aussichten

www.guteaussichten.org

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Den Beitrag schrieben Nicole Büsing & Heiko Klaas