Entdeckung

»Die Vorteile des Scheiterns« J.K. Rowling

J.K. Rowling

»Die Vorteile des Scheiterns«

J. K. Rowling, die Zauberin hinter Harry Potter, ist in so ziemlich jeder Hinsicht phänomenal erfolgreich. Harry Potter ist ein globales Franchise-Unternehmen. Es hat Rowling zu einer der reichsten Frauen Großbritanniens gemacht. In einer Rede, die sie 2008 vor Harvard-Absolvent*innen hielt, thematisierte sie die unerwarteten Vorteile des Scheiterns und die Macht der Fantasie.

Als Rowling nahe Gloucestershire in eine Mittelschichtfamilie geboren wurde, ließ sich ihr späterer Erfolg nicht erahnen. Nach ihrem Examen lebte sie in den frühen 1990er-Jahren in Edinburgh mehrere Jahre eher ziellos vor sich hin und betrachtete sich als gescheiterte Existenz.

Ihre erste Ehe war rasch zerbrochen, sie war arbeitslos, alleinerziehend und in finanziellen Nöten. Sie empfand sich als eine einzige Enttäuschung: für sich selbst und für ihre Eltern. »Nach allen gängigen Maßstäben war ich die größte Versagerin, die ich kannte«, erinnerte sie sich später.

In einer Rede, die sie 2008 vor Harvard-Absolvent*innen hielt, thematisierte sie die unerwarteten Vorteile des Scheiterns und die Macht der Fantasie. Sie beschreibt darin ihr Ringen um eine eigene Stimme als Autorin und die Furchtlosigkeit, die sie dabei entdeckte. »Wir brauchen keine Magie, um die Welt zu verändern, denn alle Kraft, die wir brauchen, tragen wir schon in uns: Wir haben die Kraft, uns etwas Besseres vorzustellen«, sagte sie.

Sie schloss mit den Worten des römischen Philosophen Seneca, den sie als Studentin, die noch nicht wusste, welchen Weg sie einmal einschlagen sollte, entdeckt und der sie all die Jahre begleitet hatte: »So wie eine Geschichte ist auch das Leben: Es zählt nicht, wie lang es ist, sondern wie gut.«

Für den Vortrag wählte J.K. Rowling zwei Themen, die ihr sehr am Herzen liegen: den Nutzen des Scheiterns und die Kraft der Fantasie. Hier hörst Du einen Auszug aus besagter Rede:

Die Rede in Textform

Warum spreche ich über die Vorteile des Scheiterns? Ganz einfach weil Scheitern für mich bedeutete, sich von allem Unwichtigen zu trennen. Ich hörte auf, mir vorzumachen, dass ich etwas anderes sei, als ich war. Und ich begann, all meine Energie auf die Vollendung der einzigen Arbeit zu richten, die mir wichtig war.

Wäre ich tatsächlich in etwas anderem erfolgreich gewesen, hätte ich vielleicht nie die Entschlossenheit gefunden, mich auf die einzige Bühne zu kämpfen, auf der ich mich zu Hause fühlte. Ich war frei, denn meine größte Angst war Wirklichkeit geworden, und ich war immer noch am Leben, und ich hatte noch immer eine Tochter, die ich über alles liebte, und ich hatte eine alte Schreibmaschine und eine große Idee.

Und so wurde der absolute Tiefpunkt das Fundament, auf dem ich mein Leben neu aufbaute. Vielleicht werden Sie nie so sehr scheitern wie ich, aber ein wenig zu scheitern ist im Leben unvermeidlich. Es ist unmöglich, zu leben und nicht zu versagen. Es sei denn, man lebt so vorsichtig, dass man erst gar nicht zu leben brauchte – in dem Fall scheitert man grob fahrlässig. Scheitern verlieh mir eine innere Sicherheit, die ich durch bestandene Prüfungen nie erlangt hatte. Scheitern lehrte mich Dinge über mich selbst, die ich sonst nicht erfahren hätte.

Ich entdeckte, dass ich einen starken Willen habe und mehr Disziplin, als ich vermutete. Und ich fand heraus, dass ich Freunde hatte, die einen weit höheren Wert hatten als jeder Rubin. Das Wissen, dass du aus Rückschlägen klüger und stärker hervorgehst, bedeutet, dass du dir fortan deiner Fähigkeit zu überleben sicher bist. Du wirst dich selbst niemals wirklich kennen, und auch nicht die Stärke deiner Beziehungen, bis sich nicht beide in der Not beweisen mussten.

Dieses Wissen ist ein wahres Geschenk, auch wenn man es nur durch Leid gewinnt, und es war mehr wert als jedes Zertifikat, das ich jemals erworben habe. Hätte ich einen »Zeitumkehrer«, dann würde ich meinem 21-jährigen Ich sagen, dass das Glück im Wissen darum liegt, dass das Leben keine Liste ist, von der man Einkäufe und Errungenschaften streicht.

»Die Vorteile des Scheiterns«

By: J.K. Rowling

 

Die meisten Reden in diesem Buch stammen aus der Zeit nach den 1830er-Jahren. In diesem Jahrzehnt fanden Frauenrechtlerinnen in der westlichen Welt erstmals den Weg auf öffentliche Bühnen – wo sie bis dahin keine nennenswerte Rolle gespielt hatten. Die Reden in »Wenn nicht ich, wer dann?« sollen Inspiration und Kraft schenken. Viel Spaß beim Schmökern!

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