Entdeckung

Malala Yousafzai »Jeder hat ein Recht auf Bildung«

Malala Yousafzai

»Jeder hat ein Recht auf Bildung«

Malala Yousafzai (geb. 1997 in Pakistan) ist eine der bekanntesten Frauen Pakistans. Seit Jahren setzt sich die junge Frau dafür ein, dass vor allem Mädchen eine Schulausbildung bekommen. Ihr Credo: Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern. Hier erhältst Du Einblicke zu Malala & hörst einen Auszug aus der Dankesrede für den Friedensnobelpreis.

Aktivistin für weibliche Bildung

Doch mit ihrem Einsatz spaltet sie die Gemüter in ihrem Heimatland: Viele feiern sie als Ikone für den Kampf gegen den islamischen Extremismus, als junge Frau, die den Taliban Paroli bietet, sich den Mund nicht verbieten lässt, und sich für die Rechte von Frauen einsetzt. Aber gibt es auch die andere Seite: Nicht wenige halten sie für eine »Verräterin der eigenen Art« und für eine »Schande für den Islam«. 2012 geschah dann leider folgende Greultat:

Die damals 15-jährige Malala saß in einem Bus in Pakistan. Sie war auf dem Heimweg von der Schule, als zwei Mitglieder der Taliban das Fahrzeug stoppten und dreimal auf sie schossen. Eine Kugel trat in ihren Kopf ein und wieder aus, was zu einer teilweisen Lähmung ihres Gesichts führte.

Sie wurde in ein pakistanisches Krankenhaus geflogen und später ins englische Birmingham verlegt, wo sie dank intensiver Behandlung überlebte.

Yousafzais Geschichte und ihr außergewöhnlicher Mut erregten weltweit Aufsehen. Vor dem Angriff hatte sie sich einen Namen als lautstarke Kritikerin des Schulverbots für Mädchen gemacht, das die Taliban verhängt hatten.

Sie beklagte die Zerstörung Hunderter Schulen in ihrer Heimatregion Swat. Ihre Kritik äußerte sie im Lokalfernsehen und begann, für die BBC anonym über ihre Erfahrungen zu bloggen.

In ihrer Dankesrede für den Friedensnobelpreis, den sie 2014 zusammen mit dem indischen Aktivisten Kailash Satyarthi erhielt, spielte sie scherzhaft auf ihr Alter an. Sie sei die erste Friedensnobelpreisträgerin, die noch mit ihren jüngeren Brüdern streite.

Sie wies auf das Fehlen einer weiterführenden Schule für Mädchen in ihrer Heimatstadt hin und bekräftigte, dass sie sich für deren Bau engagiere. Vor allem nutzte sie ihren öffentlichen Auftritt, um anderen eine Stimme zu geben – die Auszeichnung gehöre nicht nur ihr, sondern allen Kindern, die sich nach Bildung sehnen.

Hier hörst Du einen Auszug aus Malalas Dankesrede für den Friedensnobelpreis, der am 10. Dezember 2014 im Osloer Rathaus in Norwegen stattfand:

Jeder hat ein Recht auf Bildung

By: Malala Yousafzai

Malalas Rede in Textform

Ich habe festgestellt, dass man mich ganz unterschiedlich beschreibt. Manche nennen mich das Mädchen, das von den Taliban niedergeschossen wurde.

Und manche sagen, ich sei das Mädchen, das für seine Rechte kämpfte. Für andere Leute bin ich jetzt »die Nobelpreisträgerin«. Meine Brüder nennen mich allerdings immer noch ihre nervige, rechthaberische Schwester.

Soweit ich weiß, bin ich einfach ein engagierter und sogar sturer Mensch, der will, dass jedes Kind eine gute Bildung bekommt, der will, dass Frauen dieselben Rechte haben, und der will, dass Frieden in jeder Ecke der Welt herrscht.

Bildung ist eine der Segnungen des Lebens – und eine seiner Notwendigkeiten. Das haben mich die 17 Jahre meines Lebens gelehrt. In meiner paradiesischen Heimat Swat habe ich es stets geliebt, zu lernen und Neues zu entdecken.

Ich erinnere mich, wie meine Freundinnen und ich unsere Hände zu besonderen Anlässen mit Henna verzierten. Aber anstelle von Blumen und Mustern haben wir sie mit mathematischen Formeln und Gleichungen bemalt. (…)

Aber die Dinge änderten sich. Als ich in Swat war, ein beliebtes Reiseziel und ein wunderschöner Ort, verwandelte er sich plötzlich in einen Ort des Terrors. Ich war erst zehn, als über 400 Schulen zerstört wurden. Frauen wurden ausgepeitscht. Menschen wurden getötet. Und unsere schönen Träume wurden zu Albträumen. #19 Bildung wurde von einem Anrecht zum Verbrechen. Mädchen wurden gehindert, zur Schule zu gehen.

Als sich meine Welt plötzlich veränderte, änderten sich auch meine Prioritäten. Ich hatte zwei Möglichkeiten. Eine war, stumm zu bleiben und darauf zu warten, dass man mich tötet. Die zweite war, zu sprechen und dann getötet zu werden. Ich wählte die zweite. Ich beschloss, das Wort zu ergreifen. (…)

Ich erzähle meine Geschichte, nicht weil sie einzigartig ist, sondern eben weil sie es nicht ist. Es ist die Geschichte vieler Mädchen (…).

Woran liegt es, dass Länder, die wir »stark« nennen, so erfolgreich darin sind, Kriege anzufangen, aber so schwach darin sind, Frieden zu schaffen?

Warum ist es so einfach, Gewehre zu verteilen, aber so schwer, Bücher zu verteilen? (…)

Lasst es das letzte Mal sein, dass ein Mädchen oder ein Junge seine Kindheit in einer Fabrik verbringt. Lasst es das letzte Mal sein, dass ein Mädchen in eine Kinderehe gezwungen wird. Lasst es das letzte Mal sein, dass ein Kind sein Leben im Krieg verliert. Lasst es das letzte Mal sein, dass wir ein Kind sehen, das nicht zur Schule geht. Lasst es mit uns enden.

Die meisten Reden in diesem Buch stammen aus der Zeit nach den 1830er-Jahren. In diesem Jahrzehnt fanden Frauenrechtlerinnen in der westlichen Welt erstmals den Weg auf öffentliche Bühnen – wo sie bis dahin keine nennenswerte Rolle gespielt hatten. Die Reden in »Wenn nicht ich, wer dann?« sollen Inspiration und Kraft schenken. Viel Spaß beim Schmökern!

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