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Markus Lüpertz – Der klassische Malerfürst

Markus
Lüpertz

Der klassische Malerfürst

In den mehr als 60 Jahren seines Schaffens hat Markus Lüpertz durch die suggestive Kraft und archaische Monumentalität seiner Malweise international höchste Anerkennung gefunden. Heute zählt der Malerfürst zu den herausragenden deutschen Künstlern der Gegenwart.

Fragen und Antworten
mit Markus Lüpertz

Warum malen Sie?
Ich kann den Druck des Daumens von oben spüren. Das führt zu einer Störung, einem Defekt. Und so wie die verletzte Auster eine schöne Perle hervorbringt, zwingt mich dieser Druck zum Malen.

Was erwarten Sie vom Malen?
Malen ist Kultur, und wer Kultur sagt, sagt das Wesen der Welt. Malen liefert das Vokabular, um die Welt sichtbar zu machen.

Was ist Malerei?
Die Malerei stürzt das Göttliche mittels des Auges in Wahrnehmbarkeit – sie sieht die Zeiten, ist abstraktes Denken und lässt uns Welten und Zwischenwelten erfassen.

Was bedeutet abstrakt?
Die Art und Weise, wie ich meine Störung, meinen Defekt betrachte und damit arbeite. Abstraktion ist das Ergebnis des Egoismus des Künstlers. Es gibt nur abstrakte Bilder. Malerei ist ein abstraktes Produkt und erzählt nur durch den Betrachter eine Geschichte. (Das Malen erzieht den Betrachter nicht, es gibt keinen Unterricht, aber es nimmt den Betrachter ernst und erhebt ihn, indem es von einer intellektuell emanzipierten Welt ausgeht.)

Ist malen notwendig?
Ohne Malerei wird die Welt nur konsumiert, nicht wahrgenommen.

Kann man malen lernen?
Nein! Ohne angeborene Schwäche funktioniert es nicht. Aber durch eifrige Arbeit kann man viel erreichen und sich mit dem, was man erreicht, der großen Malerei nähern.

Kann der Maler scheitern?
Ja, denn es erfordert viel Disziplin, bis zum Ende durchzuhalten. Denn neue Malerei entsteht immer aus Unzufriedenheit mit der vorherigen.

Was ist der Erfolg des Malers?
Einfluss über den Zeitraum. Respekt vor seinen Konkurrenten. Seine eigene endlose Energie.

Wie ist die Situation des Malers in der Gesellschaft?
Er ist das kulturelle Gewissen seiner Zeit. Je mehr eine Zeit es erlaubt, dass große Maler existieren, desto zivilisierter ist sie.

Hat die Malerei heute eine Beziehung zur Religion?
Malen ist gottlos! Wenn Geister und Gott eine Rolle in der Malerei spielten, war sie tabu. Heute, im Zwielicht der Götter, ist es das Licht, ausdrücklich und absolut, das im Konflikt mit einer Blindheit die ganze Welt übernimmt.

English version

Why do you paint?
I can feel the pressure of the thumb from on high. That leads to a disruption, a defect. And in the same way that the wounded oyster gives birth to the beautiful pearl, this pressure forces me to paint.

What do you want from painting?
Painting is culture, and who says culture says substance of the world. Painting provides the vocabulary to make the world visible.

What is painting?
Painting plummets the divine into perceptibility, by means of the eye—it sees the times, it is abstract thought and makes us conceive worlds and inter-worlds.

What does abstract mean?
The manner of looking at, and of working with, my disruption, my defect. Abstraction is the result of the artist’s egotism. There are only abstract paintings. Painting is an abstract product, and it is only through the viewer that it tells a story. (Painting does not educate the person looking at it, it does not provide lessons, but it takes the viewer seriously and ennobles him by assuming an intellectually emancipated world.)

Is painting necessary?
Without painting the world is only consumed, it is not perceived.

Can painting be learned?
No! Without congenital infirmity, it does not work. But through assiduous work, one can achieve a great deal and, by dint of what one accomplishes, approach great painting.

Can the painter fail?
Yes, because it takes a great deal of discipline to see through to the end what one needs to do. For new painting is always born out of dissatisfaction with the previous one.

What is the painter’s success?
Influence over the period. Respect from his competitors. His own endless energy.

What is the painter’s situation in society?
He is the cultural conscience of his times. The more a period allows great painters to exist, the more civilized it is.

Does painting today have a relationship with religion?
Painting is godless! When spirits and God played a part in painting, it was taboo. Today, during the twilight of the gods, it is the light, emphatic and absolutist, in conflict with a blindness that is overtaking the whole world.

Mexikanisches
Monument

1964

In den 1960er Jahren entwickelte Markus Lüpertz seine »dithyrambische Malerei«. Er bezieht sich auf den Begriff Dithyrambe, ein ekstatisches Chorlied aus dem altgriechischen Dionysoskult, und beschreibt damit ein Alles-Ineinander-Übergehen. Die Arbeit »Mexikanisches Monument« verdeutlicht, wie er sich unterschiedlicher Objekte und Gebilde – hier einer antiken Ruinenarchitektur – bedient und diese dem Rhythmus seiner Dithyramben unterwirft. Das Objekt schwebt im Bildraum, unterdessen gibt es nichts Isoliertes. Die Bilder sind abstrakt, tragen aber gleichzeitig deutliche figurative Züge.

© Markus Lüpertz / VG Bild-Kunst, Bonn

Zelt 46
dithyrambisch

1965

»Während der Zeit, als ich [die Zelte] machte, war alles, was ich zeichnete, alles, was ich malte, so, als würde ich es aus einer Zeltperspektive betrachten.«

© Markus Lüpertz / VG Bild-Kunst, Bonn

Seerose

1970

Bei den grafischen Erforschungen seiner Dithyramben ging er meist von banalen Motiven aus – Ein Spiel zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.

© Markus Lüpertz / VG Bild-Kunst, Bonn

Ohne Titel
(zu: Babylon)

1976

Die 1975 entstandene Babylon-Serie verbindet die hoch aufragende Architektur der sagenumwobenen antiken Stadt mit der von Berlin, das in dreißig Jahren von einer bombardierten städtischen Ruine in eine Stadt voller Hochhäuser verwandelt wurde.

© Markus Lüpertz / VG Bild-Kunst, Bonn

Anlässlich der ersten umfassenden Werkschau zu Markus Lüpertz in den USA entstand ein reich bebilderter Band, der einen weiten Bogen von den visionären Anfängen bis zu den jüngsten Arbeiten dieses einzigartigen Künstlers spannt.

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